Interview: Der Graf von Unheilig
RÜCKBLICK
BONNTICKET - Wie erklärst du dir, dass der große kommerzielle Erfolg recht spät nach der Bandgründung, dann aber so heftig kam?
Der Graf – Also ich denke, dass es das Ergebnis unseres Fleißes in den letzten zehn Jahren ist. Wir haben von vornherein daran geglaubt, dass, wenn wir fleißig sind und ein Ziel vor Augen haben, das stetig verfolgt wird, der Erfolg sich irgendwann einstellen wird. Wenn du das, was du tust gerne und diszipliniert machst, bekommst du auch irgendwann den Erfolg. Wie groß dieser sein wird, kann natürlich niemand genau wissen. Aber wir haben immer daran geglaubt und plötzlich war es 2010 soweit. Ich erkläre mir das auch damit, dass wir uns in den 10 Jahren in die Herzen vieler Leute gespielt haben, indem wir einfach viele Konzerte gegeben haben. Wir haben in kleinen Clubs gespielt, sind mit anderen Bands auf Tour gegangen, die schon mehr Publikum hatten und konnten uns die letzten zehn Jahre so immer mehr Menschen bei den Konzerten präsentieren.
Dann war es 2010 soweit, dass wir durch das Lied "Geboren um zu leben" mit dem Album auf Platz 1 der Charts gelandet sind. Danach wirst du dann plötzlich zu Fernseh- und Radio-Shows eingeladen, wo du dich einem Millionenpublikum vorstellen kannst. Es war dann glücklicherweise so, dass diesem komplett neuen Publikum die Musik auch gefallen hat, so dass wir plötzlich richtig erfolgreich waren.
BONNTICKET - Wie wirst du die Single "Geboren um zu leben" in zehn Jahren sehen. Fluch oder Segen?
Der Graf – Ich denke schon, dass es ein Segen ist. Allein der Hintergrund des Liedes macht es dazu. Es ist eine Hommage an das Leben und Nachfolger des Lieds "An deiner Seite", welches ich 2008 für meinen verstorbenen, besten Freund geschrieben habe. Es ist ein Lied, das immer eine ganz besondere Bedeutung hat und haben wird; das wird immer so sein. Ich werde das Lied auch weiterhin gerne singen. Selbst, wenn ich es irgendwann zum Zehnmillionsten Mal singen werde. Es ist für mich etwas ganz Besonderes. Für mich als Musiker, der seine Lieder selbst schreibt, ist es natürlich auch ein kleiner Meilenstein, der dafür gesorgt hat, dass mein Traum Musiker zu werden und anerkannter Musiker zu sein endlich 2010 in Erfüllung gegangen ist.
BONNTICKET - Auf der ersten CD waren deine Texte teilweise auch auf Englisch: Warum hast du dich letztendlich dafür entschieden komplett auf Deutsch zu singen?
Der Graf – Das erste Album "Phosphor" war Englisch-Deutsch. Das liegt daran, dass ich damals einen guten Freund hatte mit dem ich die ersten Lieder zusammen geschrieben hatte. Er war Australier und konnte vernünftige, englische Texte schreiben. Ich bin leider derjenige, der in der Schule nie so gut in Englisch war und der nie viel mit dieser Sprache anfangen konnte. Ich kann besser in der Sprache schreiben, in der ich auch träume: Also in Deutsch. Dann war es so, dass sich unsere Wege musikalisch getrennt haben. Er war auch ein Solo-Künstler und hat sich als Chor-Sänger nie so ganz wohl gefühlt. Als ich alleine weitergemacht habe, wurde mir dann klar, dass ich auf Deutsch weitermachen will. Das zweite Album "Das 2. Gebot" 2002 war dann auch schon komplett auf Deutsch und den Weg bin ich weitergegangen.
BONNTICKET - Du giltst als sehr authentisch. Authentisch heißt Echtheit - sich offen zu legen. Wie viel vom Grafen steckt wirklich in deinen Texten. Hast du keine Angst, dass die Offenheit dich verletzbar, angreifbar macht?
Der Graf – Es ist natürlich immer so, dass, wenn man seine Texte schreibt und dabei Mut zu Emotionen hat, man viel Angriffsfläche bietet. Wenn man immer um den heißen Brei herumredet in seinen Liedern bietet man weniger Angriffsfläche. Ich habe die letzten Jahre gelernt, dass es richtig ist, wenn man das, was man fühlt und was man denkt, offen legt. Ich kann es aber auch so extrem offen machen, weil ich nichts aus meinem Privatleben erzähle und auch niemand weiß, wie ich privat lebe oder wer meine Familie ist. Es ist ja gar nichts bekannt. Dementsprechend offen kann ich das auch in den Liedern machen, weil ich selbst den Punkt oder die Entscheidung treffen kann wann ich mich aus der Öffentlichkeit wieder in mein Privatleben zurückziehe. Das ist ganz, ganz wichtig.
Ich glaube ich kann als Musiker und als Künstler extrem offen in den Liedern sein, weil mein Privatleben nicht in der Öffentlichkeit stattfindet und ich dabei immer noch selbst entscheiden kann wie weit ich dabei gehe. Alle Lieder sind authentisch: Es ist immer eine Art Tagebuch und etwas, das mit meinem Leben zu tun hat. All das, was ich fühle, denke, glaube, ist in den Liedern enthalten. Es ist immer eine Emotion und ein persönlicher Moment, der mich dazu bringt ein Lied zu schreiben. Aus dem Grund gehört es für mich dazu, hinsichtlich der Authentizität, das, was man schreibt, auch zu fühlen und zu erleben und dadurch eine wirkliche Aussage zu haben.
Ich mache Musik für mich, um mit dem Leben klarzukommen. Die ganzen Lieder sind für mich immer eine Art musikalischer Therapie. Ich erkläre mir selbst in den Liedern mein Leben. Das brauche ich auch. Das mache ich schon seitdem ich Musik mache. Ein Lied schreiben über irgendwas frei Erfundenes könnte ich gar nicht. Gerade bei "Lichter der Stadt" war es so, dass ich die Musik die letzten zwei Jahre gebraucht habe, um mir selbst zu erklären, was da gerade mit Unheilig passiert. Dieser Erfolg ist auf uns eingebrochen und ich musste damit erst mal zurechtkommen. Da ist das Album von ganz allein entstanden indem ich mir in dieser Zeit, die Zeit genommen habe mich immer wieder hinzusetzen und die Lieder zu schreiben.
DIE GRAFSCHAFT UND FANS:
BONNTICKET - Du hast "Die Grafschaft" gegründet und setzt dich ehrenamtlich mit anderen Leuten für einen guten Zweck ein. Wie bringt deine Bekanntheit dich da weiter?
Der Graf – Das hilft definitiv. Wenn du eine Person der Öffentlichkeit bist und in den Augen anderer Leute irgendwie prominent bist, dann glaube ich schon, dass man Dinge bewegen kann, die einem am Herzen liegen. Wenn ich einen Aufruf mache für eine Spendenaktion für einen guten Zweck glaube ich schon, dass mir die Menschen eher zuhören als wenn ich unbekannt wäre. Gerade wenn es darum geht Geld zu sammeln oder ein Konzert unter dem Namen "Die Grafschaft" zu veranstalten für einen guten Zweck glaube ich, dass man eine ganze Menge Geld sammeln kann. Wenn ich unbekannt wäre, würde das glaube ich keinen interessieren, weil da keiner von hören würde. Ich bin da auch ganz offen und sage ganz klar: Ich nutze meine Popularität, weil ich mich auch in einer gewissen Weise in einer Vorbildfunktion sehe, um bestimmte Dinge anzustoßen.
Mit Herzenswünsche arbeiten wir jetzt seit drei Jahren zusammen. Es kam vor dem großen Erfolg zu dieser Zusammenarbeit und wir sind von Jahr zu Jahr zusammen gewachsen. Da ist es natürlich klasse, wenn du jemanden findest, der mit dir zusammen arbeitet und du da bestimmte Dinge bewegen kannst. Weil ich das mache, ist es mittlerweile auch so, dass sich viele Unheilig-Fans ehrenamtlich dafür einsetzen: Nebenbei Geld sammeln oder auch Aktionen organisieren, um Geld für Herzenswünsche zu sammeln. Es ist natürlich toll, wenn man den ersten Schritt in die Öffentlichkeit macht und sagt, was man tut und es ganz viele Menschen gibt, die sich dadurch infizieren lassen indem sie sagen: „Hey, das ist eine gute Idee. Ich mach da auch mit“. Das ist ja eigentlich auch der Sinn und Zweck, wenn man als öffentliche Person in die Öffentlichkeit tritt und ganz offen damit umgeht.
BONNTICKET - Mit „Die Grafschaft“ unterstützt du Herzenswünsche e.V. – Eine Organisation, die schwerkranken Menschen Wünsche erfüllt. Ist das etwas, was man mitnimmt, wenn man jemanden getroffen hat und seinen Wunsch erfüllt?
Der Graf – Ja, definitiv. Durch Herzenswünsche habe ich mittlerweile natürlich schon sehr, sehr viele Begegnungen gehabt mit Menschen, denen es jetzt gerade nicht so gut geht und wenn man das erlebt, sich mit dem Menschen trifft und sich mit ihm unterhält, nimmt man das Leben wesentlich bewusster wahr: Die eigene Gesund und die Freiheit, die durch die eigene Gesundheit entsteht, ist einem wesentlich bewusster. Durch Aktionen von Herzenswünsche sind wir auch manchmal in die Situation gekommen in Krankenhäusern ein kleines Piano-Konzert zu spielen, weil es Kinder gab, die sich das gewünscht haben. Das trägt man natürlich mit nach Hause und dann ist es ganz normal, dass man das auch in den Liedern verarbeitet.
2010 haben uns auch Leute aus Hospizen angeschrieben, unabhängig von Herzenswünsche, die sich gewünscht haben, dass sie mich vor ihrem Tod noch mal sehen können. Ich bin auch hingegangen, aber das war natürlich nicht einfach und ich musste das verarbeiten. Da sind auch Lieder entstanden, die auf „Lichter der Stadt“ drauf sind. Das sind Eindrücke, die man mit nach Hause nimmt und die man auch erst mal verarbeiten muss, ganz klar.
BONNTICKET - Wie hat deine alte Fan-Base auf den kommerziellen Erfolg reagiert? Fühlst du dich noch der Gothic-Szene zugehörig?
Der Graf – Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich gar nicht verändert habe. Wenn man sich das erste Album aus dem Jahr 2000 anhört, ist da eine Ballade drauf, die "Stark" heißt. Wenn ich das Lied heute veröffentlichen würde, würden viele sagen, dass das Kommerz ist und nicht mehr Unheilig. Ich persönlich finde auch, dass "Große Freiheit" kein besseres Album war als "Puppenspiel", "Zelluloid" oder "Moderne Zeiten". Ich mache jetzt schon seit 12 Jahren die gleiche Musik. Wenn man in der Öffentlichkeit steht und mit Singles im Fernsehen ist, die meistens Balladen sind, ist die Wahrnehmung eine ganz andere.
Und es ist so, dass sich das Aussehen verändert hat: Bei den ersten Fotos hatte ich noch weiße Kontaktlinsen drin, meine Nägel schwarz lackiert und habe eine schwarze Kutte getragen. Da ist die Erscheinung heute natürlich eine andere als vor 12 Jahren. Aber der Hintergrund ist ein ganz klarer: Ich bin seit Kind an Stotterer und ich habe das heute immer noch. Wenn man als Stotterer in die Öffentlichkeit geht, will man sich gerne verstecken und ich habe mich hinter diesem Outfit jahrelang versteckt, weil ich Angst hatte mich den Menschen zu öffnen und zu zeigen.
Das ist dann mit und mit schwächer geworden, weil ich mutiger geworden bin. Erst waren die Kontaktlinsen weg, dann waren die schwarzen Fingernägel weg und die Kutte ist weg, weil ich meine komplette erste Tour mit einer Kutte gemacht habe. Bei den Auftritten schwitzt man und wenn man die nicht richtig waschen kann, riecht das nach drei Wochen nicht wirklich gut. Dann überlegt man sich etwas anzuziehen, was man auch öfter wechseln kann. Die äußerliche Wahrnehmung hat sich oberflächlich natürlich verändert, aber es ist genau das gleiche.
Die Gothic-Szene ist meine Heimat, da komme ich her und da stehe ich auch zu. Das erkennt man immer daran, dass ich heute immer noch eine Band mit auf Tour nehme, die aus dieser Szene kommt. Bei der "Lichter der Stadt"-Tour ist das die Band Staubkind. Die kenne ich jetzt auch schon seit über acht Jahren. Dabei ist es ganz klar ein Zeichen, dass ich neben Andreas Bourani auch eine Band mitnehmen, die wahrscheinlich kaum einer kennt.
BONNTICKET - Was sagst du den Leuten, die die heutigen UNHEILIG als "massenkompatibel" bzw. als Mainstream abstempeln?
Der Graf – Ich habe mir 2010 sehr,sehr viele Gedanken darüber gemacht, weil die Kritik enorm war. Die ganzen Szene-Zeitschriften haben das publik gemacht in dem sie besonders darüber geredet haben und sich gefragt haben: "Ist der Graf von Unheilig ein Verräter? Darf er bei Carmen Nebel auftreten? Um Himmels Willen: Wie kann er das denn machen?". Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich immer Musik für alle Leute gemacht habe. Ich glaube nicht, dass bei Carmen Nebel schlechtere Menschen sitzen als bei TV Total oder bei Wacken, dem härtesten Festival, das es wohl gibt.
Ich glaube einfach, dass die Menschen überall das Recht haben diese Musik zu hören. Und wenn man ins Fernsehen gehen darf, ist man total glücklich darüber. Aber ich glaube diese Thematik hatten Rammstein, diese Thematik hatten The Cure und Depeche Mode. Es gibt immer wieder Leute aus der Underground Szene, die diese Bands als erstes gehört haben, und sich dann darüber aufregen.
BONNTICKET - Der Graf und Carmen Nebel. Würde es dich – als Vertreter der Rockmusik - nicht reizen, dort mit einem Song wie "Eisenmann" oder noch besser "Herzwerk" aufzutreten?
Der Graf – Ja, das würde ich gerne machen, aber bisher ist es leider noch nicht dazu gekommen. Es gehört natürlich auch zur Unheilig Musik dazu, dass man diese ganzen Stilrichtungen hat, aber man sollte auch die Kirche im Dorf lassen. Wenn man bei Carmen Nebel eingeladen ist, ist es klar, dass da die Zuschauer sind, die sich "So wie du warst" wünschen.
Das ist bei den Konzerten genauso: Wir haben ein Publikum zwischen 8 und 80 und da kommen auch Leute, die schon lange im Rentenalter sind und die freuen sich natürlich auf die Lieder "Unter deiner Flagge", "Geboren um zu leben" oder "So wie du warst", aber trotz alledem gehen die richtig ab, wenn du da "Maschine“ oder "Eisenmann" spielst. Aber es soll ja auch im Rahmen bleiben. Ich will die Leute nicht erschrecken oder schocken und wenn sollte auch die aktuelle Single gespielt werden. Bei Carmen Nebel hinzugehen und "Eisenmann" zu spielen, kann man natürlich machen, aber ich glaube nicht, dass sich die Leute da wirklich wünschen würden. Die wären dann zwar sicher ganz entzückt, aber hätten sich dann doch lieber "So wie du warst" gewünscht.
KINDER/FAMILIEN:
BONNTICKET - Wie ist es möglich, das Programm auf junge sowie auf ältere Fans bzw. Familien zuzuschneiden? Der eine Teil freut sich auf Gitarren-Power, während der andere Teil auf die Balladen wartet. Erfordert das viel Überlegung?
Der Graf – Nein, das mach ich einfach. Bei „Große Freiheit“ haben wir einfach unser normales Set gemacht und haben uns dann gefreut, dass immer mehr Altersklassen zu den Konzerten kamen. Ich denke bei Unheilig ist es so, dass jeder was in der Musik findet, weil für jeden was dabei ist und man würde das dann gerne auch mal live sehen. Wenn wir ein Set machen, spielen wir die ruhigeren, popigeren Lieder, aber auch die schnellen, härteren Lieder. Ich denke das ist auch ganz, ganz wichtig, denn es ist auch eine Sache von Glaubwürdigkeit. Wenn man als Künstler viele Musikrichtungen macht, wie es bei Unheilig ja ist, dann sollten man das auch live machen und sich nicht nur auf eine Sache festlegen.
Das wäre mir auch zu langweilig. Bei einem Live-Auftritt brauche ich "Eisenmann", "Feuerland" und "Maschine". Da gibt es keine großen Überlegungen im Sinne von: „Heute kommen nur die älteren Leute, also spielen wir nur Balladen". Da wird ein gutes Set gemacht, was einen schönen Spannungsbogen hat, so dass man die Leute gut unterhalten kann und das steht ganz klar im Vordergrund.
BONNTICKET - Mit dem Kinderland macht ihr die Konzerte auch interessanter für Familien: Wie ist die Idee entstanden? Fan-Wunsch oder innere Eingebung?
Der Graf – Fan-Wunsch! Der kam 2006 bei einem Konzert. Da haben wir noch in kleinen Clubs gespielt und haben Mails bekommen von Eltern, die sich gewünscht haben ihre Kinder mitnehmen zu können. Da haben wir uns natürlich sehr, sehr viele Gedanken gemacht, wie man das umsetzen kann. In einem kleinen Club ist das natürlich schwer. Wir haben einen kleinen, abgesperrten Bereich in der Ecke gemacht, der nicht so ganz nah an den Boxen ist, haben dann Gehörschutz verteilt und eine kleine Empore aufgebaut, damit die Kleinen was sehen konnten. Aber die Anfragen wurden immer mehr und von da an war es immer mein Wunsch, dass auch größer und vernünftiger umzusetzen.
Wir haben dann 2010 bei der „Große Freiheit“-Tour unser Kinderland dabei gehabt, wo man basteln, spielen und Gitarre spielen konnte an einer Spielkonsole. Dazu gab es einen kleinen Ruhebereich und wir hatten auch schon das pädagogische Personal dabei, das sich um die Kinder kümmerte. Es waren allerdings noch nicht so viele da, weil es sich noch nicht rumgesprochen hatte. 2011 hatten wir dann schon unseren großen Spiele-LKW dabei, unser unheiliges Kinderland, was schon größer war und da kamen pro Konzert circa 400 bis 500 Kinder. Jetzt ist das Kinderland noch größer, circa 400 Quadratmeter: Da gibt es einen Spielparcour, den großen Spiele-LKW, eine kleine Bühne auf der man Gitarre oder Schlagzeug spielen kann. Die Kinder können da basteln oder Sport machen und das Personal vor Ort ist auch größer geworden. Wir haben jetzt schon Anmeldungen von über 1000 Kindern pro Konzert. Wir brauchen immer eine E-Mail, weil die Kinder zwischen sechs und zehn Jahren kostenlos reinkommen, und wir ungefähr wissen müssen mit wie viel Kindern wir rechnen müssen. Es muss ja auch passen. Die erwachsenen Leute über 65 Jahren kommen auch kostenlos rein.
Aber das Schöne daran ist, dass es überall angekommen ist und auch von den Veranstaltern akzeptiert wird. Es ist unheimlich schwer 400 Quadratmeter abzugeben für die man keine Karten verkaufen kann. Das gleiche Problem hatten wir auch mit dem Laufsteg, der zwölf Meter lang und zwei Meter breit ist. Das heißt ja auch wieder weniger Karten, die man verkaufen kann. Wenn man dann noch mit einem Familienbereich anfängt aus dem die Familien das Konzert ansehen können, ist auch noch mal weniger Platz da. Aber wenn man Erfolg hat, kann man das durchsetzen, organisieren und auch die Menschen vor Ort überzeugen, das umzusetzen. Das ging 2011 zum ersten Mal recht reibungslos. Wenn man Erfolg hat, hören einem die Leute auch zu und verzichten auf ihre zwanzigste Würstchen- oder Bier-Bude.
TOURNEE:
BONNTICKET - Die große Open-Air-Tour steht an. Was magst du persönlich lieber: Open Air- oder Club-Shows?
Der Graf – Also wir hatten drei heimelige Club-Shows, da habe ich mich sehr drauf gefreut und das war auch toll, aber ich war auch traurig, dass ich keine Kinder begrüßen konnte. Bei einer Show mit 2000 Leuten kann man kein Kinderland aufbauen, weil dann ist der Laden schon voll. Dementsprechend habe ich es schon sehr genossen, aber war auch traurig, dass ich da das Konzept des Familienkonzerts nicht umsetzen konnte. Wenn man Leute aus allen Altersklassen hat, die dich sehen wollen, aber dann nicht kommen, weil es zu klein oder eng ist, ist es schon schade.
Daher muss ich jetzt ganz ehrlich sagen, dass ich mich auf die großen Sachen freue. Für einen Künstler ist es natürlich gigantisch vor 20000 oder 40000 Menschen zu stehen. Da träumt man von, das ist super. Das ist natürlich ganz großes Kino und gerade das Konzert im RheinEnergie Stadion wird das größte Konzert werden, was wir je gespielt haben. Ich habe vor vielen Jahren selbst dort gestanden und mir Pink Floyd angeschaut als sie die The Wall Reunion Tour hatten. Jetzt darf ich da selbst spielen. Das ist schon… Hui! Das ist schon Wahnsinn!
BONNTICKET - Was wird die Open-Air-Tour bringen? Spezielle Effekte oder sonstige Besonderheiten in Planung? Auf was darf sich der geneigte Fan freuen? Speziell in Köln?
Der Graf – Die Planungen laufen jetzt seit 1 ½ Jahren. Ich bin ja jemand der bis zur letzten Schraube, Plane und Stange alles genau wissen will, das letzte Wort hat und immer Zehnmillionen Ideen hat, die er gerne umgesetzt haben will. Wenn davon dann 100 klappen, ist das super. Es klappen sehr, sehr viele Ideen. Wir haben wieder Video-Einspieler gedreht, passend zu "Lichter der Stadt".
Man kannte das ja von "Große Freiheit", dass ich mit meinem Koffer am Meer entlang gegangen bin. Eine große Licht-Show ist geplant und wird auch so stattfinden. Natürlich auch die ein oder andere Überraschung, die ich jetzt noch nicht vorweg nehmen will. Wir haben uns auch viele Gedanken zur Bühne gemacht, was da drauf passiert. Ich denke die Leute können sich auf eine gute Show und eine unterhaltsame Zeit freuen. Wir haben echt viel an den Start gebracht.
BONNTICKET - Bevorzugtes Verkehrsmittel auf der kommenden Tournee? Auto, Nightliner oder doch Flugzeug? Warum?
Der Graf – Auto! Immer Auto! Ich bin ja derjenige, der nach den Auftritten immer mal wieder zu Interviews oder zu anderen Terminen muss. Ich muss da flexibel sein, weil immer noch schnell was dazwischen kommt, wo man hin muss. Sei es für eine caritative Sache, die nicht in der Öffentlichkeit stattfindet. Das war letztes Mal auch so und da wird der ein oder andere Besuch der Fall sein bei jemandem, der sich das wünscht. Aus dem Grund fahre ich immer mit dem Auto durch die Gegend und bin gespannt wie viel Kilometer wir diesmal abreisen. Letztes Mal waren es 140000 und das ist fast zwei Mal um die ganze Welt.
CD/CHARTS:
BONNTICKET - Glaubst du, dass man den Erfolg von Große Freiheit noch einmal wiederholen kann? Welche Ziele hast du dir hinsichtlich Verkaufszahlen und Chart-Platzierungen gesetzt?
Der Graf – Wichtig war für mich, dass wir mit "Lichter der Stadt" zeigen konnten, dass wir keine Eintagsfliegen sind. Den Erfolg von "Große Freiheit" haben viele 2010 damit erklärt, dass Unheilig gerade Zeitgeist und Gothic, schwarz und deutsche Musik gerade In ist. Punkt und das war’s dann. Ich wollte mir selbst beweisen und den Kritikern zeigen, dass Unheilig auch 2012 In ist. Deswegen war natürlich ganz toll, dass man sich auf die Fan verlassen konnte und wir somit wieder vier Wochen auf der eins waren. Das ist super. Und wir hatten glaube ich schon nach drei Tagen Gold. Ich meine das hatten wir mit „Große Freiheit“ nach acht Wochen. Das war gigantisch.
Dementsprechend bin ich jetzt gespannt, was da so passiert. Wir sind von der eins geschubst wurden durch die Ärzte, aber das ist auch voll okay und da braucht man sich gar nicht für zu schämen. Diese Woche kommen glaube ich die Toten Hosen raus. Das sind alles Kaliber; Wahnsinn. Von den Verkaufszahlen bin ich da mal gespannt, was passiert. Ich denke schon, dass wir da auf einem guten Weg sind, aber das kann man auch erst nach zwei Jahren sagen. Die Millionen-Grenze mit „Große Freiheit“ hatten wir erst ein Jahr später und ich weiß auch gar nicht wo wir jetzt genau stehen. Ich warte einfach mal ab. Wichtig für mich sind jetzt erst mal die Konzerte und das läuft super. Zwei, drei Shows sind ja auch schon ausverkauft und es sind schon Zusatzshows geplant.
Ich freue mich dann auf das hoffentlich ausverkaufte RheinEnergie Stadion, das sieht ja auch gut aus. Für mich persönlich ist klar, dass ich als Musiker angekommen bin und einen Punkt erreicht habe an den ich immer hinwollte. Jetzt kann man auch viele Dinge planen, die man schon immer machen wollte. Ich habe noch so viele Ideen, was musikalische Sachen angeht, die man mal machen könnte, und wenn man das auf einen Zettel schreiben würde, wäre der sehr lang. Die gehe ich jetzt alle der Reihe nach an. Ich habe noch genug Ideen, also wer Unheilig hören will, wird sie noch viele Jahre hören.
BONNTICKET - Das Duett mit Xavier Naidoo. Wessen Idee war das? Deine oder die von UNIVERSAL?
Der Graf – Meine! Die Plattenfirma hat zwar auch oft gute Ideen, aber ich bin derjenige, der das entscheidet. Es glaubt mir nie einer, dass der Künstler selbst entscheiden darf, aber bei mir ist alles, was passiert, vom Artwork bis zur Schraube in der Bühne oder welcher Produzent genommen wird, meine Entscheidung. Ich hatte Xavier 2010 bei The Dome getroffen und dann noch mal beim Eurovision Song Contest 2010 mit Lena als sie auch gewonnen hatte. Da kommt man ins Gespräch. Man sieht ihn und fragt sich, ob man ihn mal ansprechen soll, weil man ihn ja selbst gut findet. Ich habe Platten von ihm. Dann spricht man ihn an, er ist dir sympathisch und dann fragt man ihn. Er ist ja auch kein Universal Künstler, daran kann man schon erkennen, dass es sicher nicht der Vorschlag der Plattenfirma war.
- Interviews
- 02.07.2012, 00:07

